Schreiend aufwachende Erwachsene: Hilfe bei Nachtschreck
Zusammenfassung

Beim Nachtschreck wachen Kinder und Erwachsene nachts schreiend auf. Eltern, die Partnerin oder der Partner können das sehr erschrecken. Aber dieses Schlafphänomen ist gut erklärbar und in der Regel ungefährlich. Was Erwachsene sowie ihre Partner:innen tun können, erfährst du in diesem Artikel.

Schreiend aufwachen: Das Wichtigste kurz gefasst

  • Der Nachtschreck entsteht meist in der ersten Nachthälfte aus dem Tiefschlaf heraus und führt zu panischem Schreien bei nur teilweisem Aufwachen. Betroffene erinnern sich häufig nicht oder nur bruchstückhaft.
  • Die Situation wirkt dramatisch, ist aber meistens ungefährlich. Das größte Risiko sind Verletzungen durch unkontrollierte Bewegungen oder Aufspringen, daher ist eine sichere Schlafumgebung wichtig.
  • Auch Erwachsene sind betroffen, wenn auch seltener als Kinder. Schreiendes Aufwachen sowie Reden und Schreien im Schlaf können zusammen mit Schlafwandeln auftreten und gehören zu den sogenannten Parasomnien.
  • Typische Auslöser sind Schlafmangel, Stress, Alkohol sowie manche Medikamente. Wer diese Auslöser meidet und regelmäßige Schlafzeiten pflegt, erlebt oft deutlich weniger Nachtschreck-Episoden.
  • Eine schlafmedizinische Abklärung ist sinnvoll, wenn der Nachtschreck erstmals im Alter ab 13 bis 14 Jahren auftritt, wenn die Ereignisse häufig sind oder Verletzungen drohen.

Nicht nur bei Kindern: Schreiend aufwachende Erwachsene

Viele Menschen verbinden den Nachtschreck mit dem Kindesalter. Dieser Eindruck stimmt, denn Kinder erleben ihn deutlich häufiger. Erwachsene können jedoch ebenso betroffen sein. Beim Nachtschreck, den Fachleute auch Nachtangst oder “Pavor Nocturnus” nennen, kommt es aus dem Tiefschlaf heraus zu einem abrupten Aufschrecken. Die Person schreit, wirkt außer sich, hat einen schnellen Puls, schwitzt und ist nur schwer ansprechbar. Sie ist nicht wirklich wach und erinnert sich am nächsten Morgen kaum. 

Das Ereignis dauert meist Sekunden bis wenige Minuten und legt sich ohne Zutun wieder. So erschreckend das wirkt, so wichtig ist die Einordnung: Der Körper befindet sich in einem Zwischenzustand aus Schlaf und Wachheit. Das Nervensystem sendet Alarmsignale, obwohl keine äußere Gefahr besteht. 

Schlafereignisse wie Reden und Schreien im Schlaf sowie Schlafwandeln treten häufig gemeinsam auf, weil sie demselben Schlafstadium entstammen. Sie zeigen sich vor allem im ersten Drittel der Nacht, wenn der Tiefschlaf am stärksten ausgeprägt ist. Diese zeitliche Einordnung hilft bei der Abgrenzung gegenüber Albträumen, die eher in der zweiten Nachthälfte auftreten. 

Aktuelle Befragungen bestätigen, dass Schlafstörungen weit verbreitet sind. In der Schlafstudie 2024 berichten viele Menschen über wiederholte nächtliche Unterbrechungen und deutliche Müdigkeit am Tag. Diese Belastungen sind kein persönliches Versagen, sondern Ausdruck eines gestörten Schlafs und eines überreizten Nervensystems.

Nachtschreck: Was Erwachsene tun können

Wer schreiend aufwacht, will schnell wieder Sicherheit gewinnen. Der folgende Leitfaden führt dich von einfachen Schritten im Alltag bis hin zu professioneller Hilfe. Diese Schritte gelten genauso für Situationen, in denen du im Schlaf redest und schreist.

Rhythmus stabilisieren

Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus beruhigt das Nervensystem. Lege feste Zeiten für das Zubettgehen und Aufstehen fest und halte sie auch am Wochenende ein. Wer tagsüber kurz döst, sollte auf sehr späte Nickerchen verzichten, damit der Nachtschlaf nicht leidet.

Bedingungen verbessern

Alkohol am Abend, sehr spätes Essen, viel Koffein und schweres Training kurz vor dem Schlaf stören die Schlafarchitektur und erhöhen das Risiko für nächtliches Teilaufwachen. Wichtig: Räume Stolperfallen aus dem Schlafzimmer, lagere scharfe Gegenstände außerhalb der Reichweite und prüfe, ob das Bett niedrig genug steht. Das schützt vor Verletzungen, falls du in einer Nachtschreck-Episode aufspringst.

Abendroutine schaffen

Sanfte Rituale helfen, vom Tag herunterzukommen. Ein kurzer Spaziergang, leichtes Dehnen oder eine ruhige Atemübung wirken besser als Smartphone-Scrollen im Bett. Reduziere deine Bildschirmzeit in den letzten zwei Stunden vor dem Einschlafen und dimm das Licht. In der Schlafstudie 2024 gaben viele Menschen an, abends lange aufs Smartphone zu schauen. Eine bewusste Reduktion verbessert die Schlafqualität.

Geplantes Wecken

Wenn der Nachtschreck häufig zur gleichen Uhrzeit beginnt, kann sanftes Wecken 15 bis 30 Minuten vorher über einige Nächte die Serie durchbrechen. Diese Methode eignet sich vor allem bei klaren Mustern und sollte behutsam getestet werden.

Schlaftagebuch

Notiere deine Schlaferfahrungen mit Datum, Uhrzeit, Dauer, vorausgehenden Ereignissen, Alkohol, Stress, Medikamente und was geholfen hat. Das schafft dir einen Überblick. Für den Fall, dass eine Einschätzung deiner Ärztin oder deines Arztes nötig ist, hilft es im Gespräch oder im Schlaflabor.

Professionelle Hilfe

Bei häufigem Nachtschreck, ausgeprägter Tagesmüdigkeit oder spätem Beginn im Erwachsenenalter ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll. Eine Behandlung gehört in schlafmedizinische Hände, also zu Ärztinnen und Ärzten mit Schwerpunkt Schlafstörungen. 

In besonderen Fällen empfiehlt sich eine Schlaflabor-Messung über eine Nacht mit Aufzeichnungen von Atmung, Herzschlag, Hirnströmen und Muskelspannung – eine sogenannte Polysomnographie. So lassen sich andere Ursachen sicher abgrenzen, zum Beispiel die REM-Schlaf-Verhaltensstörung. REM bedeutet Rapid Eye Movement und beschreibt den Traumschlaf, in dem Menschen bei dieser Störung Bewegungen aus Träumen ausführen. 

Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin empfiehlt bei häufigen Episoden, Verletzungsgefahr, starker Tagesmüdigkeit oder spätem Beginn die Vorstellung in einer schlafmedizinischen Praxis oder einem Schlaflabor.

Digitale Gesundheitsanwendungen

Digitale Programme können helfen, Routinen aufzubauen, Entspannungsübungen regelmäßig zu üben und schlafbezogene Gewohnheiten zu stabilisieren. somnovia ist ein digitales Angebot, das mit einem individualisierten Dialog und zahlreichen Übungen den gesunden Schlaf fördert.

Was der Partner oder die Partnerin tun kann

Wer neben einer betroffenen Person liegt, erlebt das nächtliche Schreien oft als beängstigend. Mit wenigen klaren Schritten schützt du dich und die betroffene Person.

Ruhe bewahren

Sprich am besten leise und in kurzen Sätzen. Vermeide helles Licht und rüttele deine Partnerin oder deinen Partner nicht – das verstärkt die Verwirrung und kann zu Abwehrbewegungen führen. Warte ab, bis sich der Nachtschreck löst, und bleibe in der Nähe. Sorge dafür, dass die Person nicht aus dem Bett stürzt und sich nicht an Möbelkanten verletzt.

Behutsam erklären

Wenn die Anspannung abgeklungen ist, kannst du beruhigend erklären, was passiert ist. Viele Betroffene erinnern sich nicht. Bleibe sachlich und vermeide Vorwürfe – die würden nur neue Anspannung und Schuldgefühle erzeugen.

Ereignis dokumentieren

Halte kurz fest, wann das Ereignis begann, wie es ablief und ob es Auslöser gab. Diese Informationen helfen bei der Suche nach Mustern.

Nachtschreck bei Kindern

Eltern erleben den Nachtschreck oft als besonders erschütternd. Aus einem ruhigen Schlaf heraus schreit das Kind plötzlich, sitzt aufrecht im Bett, ist schweißnass und wirkt, als würde es echte Angst empfinden. Versuche, das Kind zu trösten, helfen in diesem Moment meist nicht, weil es nicht wirklich wach ist. Nach wenigen Minuten fällt es wieder in den Schlaf und erinnert sich am Morgen nicht. Diese Beschreibung entspricht dem typischen Verlauf und erklärt, warum der Nachtschreck zwar dramatisch aussieht, aber in der Regel harmlos ist.

Solche Ereignisse zeigen sich am häufigsten zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr und meist in den ersten zwei bis drei Stunden nach dem Einschlafen. Eltern können vor allem dafür sorgen, dass sich das Kind nicht verletzt, und ansonsten ruhig bleiben. Wenn der Nachtschreck häufig auftritt, sehr belastet oder mit Schlafwandeln einhergeht, sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Situation prüfen.