Schlafstörungen und Krankheiten hängen oft zusammen: Die Krankheit stört den Schlaf, der schlechte Schlaf verschlimmert die Beschwerden. Erfahre, welche Krankheiten den Schlaf häufig stören, ob Medikamente dahinterstecken können und was du dann konkret tun kannst.
Schlafstörungen durch Krankheiten: Das Wichtigste kurz gefasst
- Schlafstörung durch Krankheit: Ein- oder Durchschlafprobleme können durch eine Krankheit, deren Folgen oder deren Behandlung – etwa Medikamente – ausgelöst oder verstärkt werden.
- Schlechter Schlaf kann Beschwerden verstärken. Deshalb lohnt sich eine Doppelstrategie aus der Behandlung der Ursache und der Behandlung des Schlafes.
- Erste Schritte. Beobachte ein bis zwei Wochen lang, wann und wodurch der Schlaf gestört wird, und führe ein einfaches Schlaftagebuch. Nimm diese Notizen zum nächsten Arzttermin mit, damit ihr mögliche Ursachen und Maßnahmen gezielt besprechen könnt.
- Entspannung am Abend, leichte Kost, feste Schlafenszeiten und – je nach Krankheit – eine gute Schmerzbehandlung verbessern den Schlaf spürbar.
- Digitale Unterstützung: Die Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) somnovia bietet ein nachgewiesen wirkungsvolles Schlafcoaching.
- Therapie. Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) hilft nachhaltig bei Schlafstörungen. Medikamente sind nur zeitlich begrenzt sinnvoll.
- Risiken im Schlaf. Ernsthafte Ereignisse können auch nachts auftreten, zum Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall oder schwere Atemaussetzer. Wichtig sind die Warnzeichen – bei Verdacht handelst du sofort und rufst die 112.
Diese Krankheiten verursachen Schlafstörungen – und was du tun kannst
Manchmal ist es nicht der Schlaf selbst, sondern die Krankheit dahinter, die die Nacht schwer macht. Wenn wir verstehen, woher die Störung kommt, finden wir einfache Schritte, die spürbar helfen. Finde in den nachfolgenden Kategorien deine aktuelle Krankheit und erfahre, was du konkret tun kannst.
Herz-Kreislauf und Blutdruck
Ein geschwächtes Herz oder ein unregelmäßiger Herzschlag kann zu Atemnot, Unruhe und häufigem Erwachen führen. Miss – wenn möglich – gelegentlich auch nachts den Blutdruck und notiere Auffälligkeiten. Sprich zeitnah mit der Hausärztin oder dem Hausarzt über die Werte und über eine Anpassung der Behandlung. Treten starker Brustdruck, eine Ausstrahlung in den Armen, Rücken oder Kiefer, kalter Schweiß oder Luftnot auf, rufst du sofort die 112. Ein Herzinfarkt passiert häufiger am Morgen, kann aber auch nachts auftreten.
Hormone und Stoffwechsel (Schilddrüse, Zucker)
Eine schnell arbeitende Schilddrüse macht dich oft nervös und schlaflos. Eine langsam arbeitende Schilddrüse ermüdet dich tagsüber und lässt dich nachts unruhig schlafen. Nimm dein Schilddrüsenmedikament immer gleich ein und halte Abstand zu Milch, Calcium und Eisen.
Bei einer Zuckerkrankheit können Unter- oder Überzuckerungen dich wecken. Miss in solchen Nächten den Zucker, notiere das Essen am Abend und besprich die Einstellung mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Atemwege, Allergien und Infektionen
Asthma, Heuschnupfen und Erkältungen können den Schlaf durch Husten, Luftknappheit und Juckreiz stören. Kläre mit der Arztpraxis, ob dein Inhalator oder deine Nasenspray-Dosis richtig eingestellt sind und wie du Auslöser für Schlafstörungen meidest.
Nach Virusinfekten – auch nach Covid-19 – kann der Schlaf noch wochenlang holprig sein. Nimm das ernst und sprich es offen bei deiner Ärztin oder deinem Arzt an, damit ihr gemeinsam Maßnahmen besprecht und findet.
Nerven und Seele
Unruhige Beine (Restless Legs), Parkinson und Migräne sowie Niedergeschlagenheit und Depressionen gehen oft mit schlechtem Schlaf einher. Hilfreich sind wie fast immer feste Zeiten fürs Schlafengehen, viel Licht am Morgen, regelmäßige Bewegung und – falls von deiner Ärztin oder deinem Arzt empfohlen – die Kontrolle der Eisenwerte im Blut. Wenn der Eisenspeicherwert (Ferritin) zu niedrig ist, leidet die Bildung von Botenstoffen wie Dopamin. Das kann innere Unruhe, nervöse Beine, schlechteren Schlaf und gedrückte Stimmung begünstigen.
Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) eignet sich sehr gut zur Behandlung von Schlafstörungen. Sie bietet Informationen, Anregungen und Übungen an, die den Schlaf nachhaltig beruhigen. Im Gegensatz zu Medikamenten wirkt sie nicht nur im Moment, sondern auch nachhaltig. Sie kann klassisch mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten vor Ort oder als Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) mit somnovia durchgeführt werden.
Schmerzen, Rheuma und Abwehr (Autoimmun)
Schmerzen wecken viele Menschen in der Nacht. Bitte verändere die Menge deiner Medikamente nie allein, sondern sprich immer mit der Arztpraxis. Lass dir einen Plan für die Nacht geben, damit die Wirkung bis zum Morgen anhält. Wärme tut gut, leichte Dehnungen am Tag lockern den Körper und feste Abendrituale beruhigen – so findest du wieder tieferen Schlaf.
Magen, Darm und Leber
Nachts macht sich Sodbrennen oft stärker bemerkbar, weil wir liegen und die Magensäure leichter nach oben steigt. Hilfreich ist, wenn du abends leicht isst, kleine Portionen wählst und mindestens zwei bis drei Stunden vor dem Zubettgehen nichts Großes mehr zu dir nimmst. Meide am späten Abend Fettes, sehr Scharfes, Alkohol, Kaffee und große Mengen Süßes, weil das die Säureproduktion anregt. Lege dich zum Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper auf die linke Seite. Ein flaches Kissen oder ein leicht angehobenes Kopfteil reicht oft schon. Wenn Sodbrennen dich wach hält, sprich mit deiner Praxis über eine passende Behandlung und lass abklären, ob noch etwas anderes dahintersteckt. So holst du dir Schritt für Schritt die ruhige Nacht zurück.
Blase, Nieren und Unterleib
Nächtlicher Harndrang unterbricht den Schlaf, weil die Blase sich meldet, sobald sie sich füllt. Verteile deine Trinkmenge über den Tag, trinke ab spätem Nachmittag weniger und meide Alkohol und große Mengen Tee oder Kaffee am Abend. Wenn du Wassertabletten bzw. Entwässerungstabletten einnimmst, frage, ob der Zeitpunkt geändert werden kann. Vor dem Schlafengehen hilft oft ein doppeltes Wasserlassen: kurz warten und noch einmal zur Toilette gehen. Häufiges Wasserlassen kann viele Gründe haben, zum Beispiel die Prostata bei Männern, das Herz, die Nieren oder eine Schlafapnoe. Wenn dich das regelmäßig stört – oder wenn du zusätzlich schnarchst und Atempausen hast – lass das bitte ärztlich prüfen, damit ihr die Ursache gezielt behandeln könnt.
Krebs und Folgen der Therapie
Bei einer Krebserkrankung und während der Behandlung geraten Körper und Alltag aus dem Takt, und das stört oft den Schlaf. Müdigkeit, Schmerzen und Hitzewallungen lassen sich jedoch meist lindern, wenn du und dein Behandlungsteam den Schlaf mitdenkt. Bitte sprich das Thema aktiv an: Manchmal hilft es schon, die Einnahmezeiten von Medikamenten zu verschieben und abends beruhigende Rituale einzuüben. Gegen Hitzewallungen helfen luftige Kleidung, kühle Getränke und frische Luft vor dem Schlafengehen. Gegen innere Unruhe helfen ruhige Musik, Atemübungen oder ein kurzer Spaziergang draußen am Tag. Halte Nickerchen kurz (ca. 20–30 Minuten) und suche am Vormittag Tageslicht, damit der Körper den Tag-Nacht-Rhythmus wiederfindet.
Medikamente, die Schlafstörungen fördern
Viele Arzneien helfen am Tag – und stören ungewollt die Nacht. Es ist wichtig, die Medikamente nicht einfach eigenständig abzusetzen, sondern gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über einen besseren Zeitpunkt, eine andere Dosis oder alternative Präparate zu sprechen. Die folgende Übersicht kann dir eine erste Orientierung geben, wenn du dich auf das Gespräch vorbereiten möchtest.
Kortisonpräparate (z. B. Prednisolon, Dexamethason)
Diese Arzneimittel werden gegen Entzündungen eingesetzt, zum Beispiel bei Asthma, Rheuma oder starken Hautausschlägen. Kortisonpräparate können Einschlafstörungen, innere Unruhe und lebhafte Träume auslösen. Häufig hilft eine morgendliche Einnahme sowie eine behutsame Dosisreduktion nach ärztlicher Vorgabe.
Schilddrüsenhormon (Levothyroxin)
Dieses Medikament ersetzt fehlendes Schilddrüsenhormon bei einer Unterfunktion. Levothyroxin kann – vor allem bei zu hoher Dosis – Unruhe und Ein- oder Durchschlafprobleme verstärken. Entscheidend sind die korrekte Dosis und eine konstante Einnahme mit Abstand zu den Mahlzeiten. Ob morgens oder abends, kann individuell mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Antidepressiva
Sie werden bei Depressionen und Angst verordnet und sollen die Stimmung und den Antrieb stabilisieren. Bei Medikamenten gegen Depressionen kann die Wirkung auf den Schlaf sehr unterschiedlich sein. Sogenannte SSRI- oder SNRI-Antidepressiva (z. B. Sertralin, Escitalopram, Venlafaxin) können das Durchschlafen stören, während Mirtazapin eher schläfrig macht und abends günstig sein kann. Besprich die jeweilige Wirkung deines Präparates auf deinen Schlaf, sobald du eine ungünstige Veränderung bemerkst. So kann deine Ärztin oder dein Arzt entscheiden, ob du besser zu einem anderen Präparat wechselst.
Herz-Kreislauf-Mittel
Zu diesen Mitteln zählen z. B. Betablocker, die Blutdruck und Puls senken und bei Herzrhythmusstörungen helfen, teils auch zur Migräne-Vorbeugung. Betablocker können in Einzelfällen zu Schlafstörungen führen. Wenn der Schlaf leidet, lohnt sich das Gespräch mit der Ärztin oder dem Arzt über Alternativen oder ergänzende Mittel und Maßnahmen. So zeigte eine Studie, dass die Kombination von Betablockern mit einem Melatonin-Präparat zu einer Besserung der Schlafqualität führte.
Magen-Darm-Therapien und weitere Wirkstoffe
In dieser Medikamentengruppe gibt es sehr verschiedene Präparate, jedes mit einem klaren Zweck. Einige Beispiele: Protonenpumpen-Hemmer (z. B. Pantoprazol) gegen Sodbrennen und Reflux, Schmerzmittel (z. B. Ibuprofen, Paracetamol) und Opioide gegen Schmerzen, Antihistaminika (z. B. Loratadin, Cetirizin) gegen Allergien, und Antiepileptika (z. B. Gabapentin, Pregabalin) gegen Krampfanfälle bzw. Nervenschmerz. Alle Präparate können Effekte auf den Schlaf haben. Prüfe gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt die beste Uhrzeit und Dosis.
Risiken bei Krankheiten während des Schlafs
Nachts läuft der Körper wie auf Autopilot, doch manche Krankheiten können sich dennoch im Schlaf melden.
- Kann man im Schlaf einen Herzinfarkt bekommen? Ja, das ist möglich, auch wenn Herzinfarkte häufiger am Morgen auftreten. Wachst du mit einem starken Druck oder Brennen hinter dem Brustbein auf, der in die Arme, den Rücken, Nacken oder Kiefer zieht, dann rufst du sofort die 112 und wartest nicht ab. Übelkeit, kalter Schweiß, Luftnot oder ein extremes Angstgefühl sind zusätzliche Warnzeichen, die du ernst nehmen musst.
- Ein Schlaganfall kann während des Schlafs beginnen und fällt dann erst beim Aufwachen auf. Wenn ein Mundwinkel hängt, ein Arm oder Bein schwach oder taub ist oder die Sprache plötzlich verwaschen klingt, dann zählt jede Minute und du wählst ohne Zögern die 112. Auch Sehstörungen, Schwindel mit Gleichgewichtsstörungen oder sehr starke Kopfschmerzen sind ein Grund, sofort Hilfe zu holen.
- Ein unregelmäßiger Puls oder lang anhaltendes Herzrasen können zu Unruhe, Schweißausbrüchen und Angst führen. Wenn solche Episoden neu sind, länger anhalten oder mit Schwindel und Luftnot einhergehen, lässt du das bitte schnell ärztlich abklären.
- Bei der Schlafapnoe setzt die Atmung immer wieder aus, der Sauerstoff sinkt und das Herz wird belastet. Lautes Schnarchen mit Atempausen, morgendliche Kopfschmerzen und starke Tagesmüdigkeit sind Warnzeichen, die du ansprechen solltest. Eine gezielte Behandlung entlastet Herz und Kreislauf und macht die Nächte ruhiger.
- Ein zu niedriger Blutzucker kann dich mit Schwitzen, Zittern, Herzklopfen oder wirren Träumen wecken. Zu hoher Blutzucker macht durstig und lässt dich häufig zur Toilette gehen. Miss in solchen Nächten den Wert, iss bei Unterzucker schnell verwertbare Kohlenhydrate und bespreche deine Erfahrungen zeitnah in deiner Arztpraxis.
- Asthma, Allergien und Infekte: Nächtliche Asthmaanfälle zeigen sich mit pfeifender Atmung, Husten und Enge in der Brust. Inhaliere wie mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen und lass die Einstellung prüfen, wenn du nachts häufiger Beschwerden hast. Auch Virusinfektionen können den Schlaf längere Zeit stören, weshalb viel Schonung und Flüssigkeit helfen.
- Wenn Magensäure hochläuft (Reflux), stört das den Schlaf und reizt die Atemwege. Schlafe lieber auf der linken Seite, iss abends leicht und lagere den Oberkörper etwas höher. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über eine passende Therapie, wenn du häufig aufwachst.
- Krampfanfälle und andere neurologische Auslöser: Bei bekannter Epilepsie kommen Anfälle auch nachts vor. Eine verlässliche Medikamenteneinnahme, ausreichend Schlaf und ein mit den Angehörigen abgestimmter Notfallplan geben dir Sicherheit. Wenn du neuartige nächtliche Zuckungen, Verwirrtheit am Morgen oder Bissspuren an der Zunge bemerkst, sprich darüber mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
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